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Medellín, einst gefährlichste Stadt der Welt

by Chris

Jedes Mal, wenn ich von Medellín berichte, gerate ich unweigerlich ins Schwärmen. Normalerweise sind Großstädte nicht so mein Ding, aber Medellín verkörpert auf solch eine eindrucksvolle Art und Weise Fortschritt und Weltoffenheit, wie ich es noch nie erlebt habe. Das hatte ich so gar nicht in Kolumbien erwartet. Und erst recht nicht in einer Stadt, die durch Pablo Escobar zu zweifelhaftem Ruhm gelangte.

Das Titelbild zum Beitrag Medellín, einst gefährlichste Stadt der Welt


Welch ein Traumstart in Medellín

Kennt ihr das Gefühl, wenn etwas einfach richtig ist? Genauso ging es uns mit Medellín! Nach einer nervenaufreibenden Anreise von Panama düsten wir im Taxi die kurvenreiche Strecke Richtung Medellín und spürten, dass hier etwas Besonderes in der Luft liegt. Aber was macht Medellín nun so einzigartig?


Der Stolz aller Einwohner Medellíns

Ich beginne meine Erzählungen gerne bei der Metro, die 1995 in Betrieb genommen wurde. Abfall oder Schmierereien sucht man hier vergebens, denn die Metro ist der ganze Stolz der Stadt. Im Zuge der Stadtentwicklung wurden zwei Seilbahnlinien an die Metro angeschlossen, um die ärmeren Viertel der Stadt, die sich im Laufe der Zeit regelrecht in die Berge hinein gefressen haben, mit dem Zentrum zu verbinden.

Die Seilbahn in Medellin

Und es ist völlig egal, mit wem man spricht – von nahezu allen Bewohnern wird das Metrosystem äußerst positiv bewertet. Sicherlich spielt der geringe Preis von 2.150 COP (= 0,60 €) dabei eine gehörige Rolle. Denn wenn man einmal bezahlt hat, kommt man für dieses Geld bis an seine Endstation bei unbegrenzten Umstiegen.

Ein Blick aus dem Inneren der Seilbahn in Medellín

Aber es ist nicht nur der Preis, sondern vielmehr der Gedanke, der hinter der Metro steht. Hier wurde etwas Fortschrittliches geschaffen, das allen Bürgern gleichermaßen zugutekommt. Finanziert wird das Metrosystem übrigens vom Emissionshandel, da die Stadt durch den Betrieb jede Menge CO2 einspart.


Lasst uns etwas für alle machen

In der jüngeren Vergangenheit erkannte man in Medellín, dass man sozialer Ungerechtigkeit und daraus resultierender Kriminalität besser mit Bildung und Teilhabe statt zunehmender Härte des Gesetzes gegenüber tritt. Und nach Jahren des Schreckens fielen die Bemühungen der Regierung bei der Bevölkerung auf fruchtbaren Boden.

Ein Park in Medellín

Speziell mit städtebaulichen Maßnahmen wollte man die Verbesserungen vorantreiben. Das mitunter bekannteste Beispiel sind die Rolltreppen in der Comuna 13, dem einst gefährlichsten Viertel der Stadt, das mittlerweile von Heerscharen von Touristen besucht wird. Gebaut wurden die Rolltreppen übrigens, weil sich in einem Zensus herausstellte, dass die Bevölkerung rund um die Rolltreppen besonders alt ist. Einen Bericht über unseren Ausflug in die Comuna 13 findest du bald hier.

Die Rolltreppen in der Comuna 13 in Medellín

Darüber hinaus wurden viele stadtbekannte Brennpunkte der Kriminalität in öffentliche Parks umgewandelt, um diese wieder für alle Bewohner sicherer zu machen. Ein sehr schönes Beispiel für die Teilhabe der Bevölkerung sind die zahlreichen, über die Stadt verteilten Sportstätten, die gegen Vorlage eines Mitgliedsausweises gratis genutzt werden können.

Ein weiterer Park in Medellín

Um Bildung für alle zugänglich zu machen, existiert ein System von Bibliotheken in Medellín. Selbstverständlich ist die Nutzung wieder kostenlos. In den Bibliotheken werden aber nicht nur Medien bereitgestellt, sondern es gibt ein breitgefächertes Programm für alle Altersklassen, um speziell den Bewohnern der ärmeren Viertel eine Alternative zur Kriminalität zu bieten.


Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Natürlich ist in Medellín nicht alles super. Wenn man sich mit den Einwohnern unterhält, bekommt man einen tieferen Einblick in das Leben, das sich unter den oberflächlichen städtebaulichen Maßnahmen nicht so drastisch verbessert hat, wie man auf den ersten Blick meinen möchte. Denn nach wie vor sind die Gangs und Gewaltkriminalität omnipräsent in Medellín.

Ein Straßenzug in der Comuna 13 in Medellín

Beispielsweise berichtete uns eine junge Frau, dass sie selbst zwar noch nie mit einer Waffe bedroht wurde, aber viele ihrer Freunde dieses Glück nicht hatten. Oder die ständige Angst vor Taxifahrern; Wir trafen keinen Einwohner, der uns guten Gewissens zu einem Taxi riet, da Express Kidnapping weit verbreitet sei. Die sicherere Alternative ist stets ein Uber, da dort die Fahrten aufgezeichnet werden.

Trotzdem bekommt man als Tourist relativ wenig von der Kriminalität in Medellín mit, wenn man die No-Go-Areas der Stadt entweder meidet oder nur mit äußerster Bedachtheit besucht. Die Mordrate in Medellín sank 2015 auf einen historischen Tiefpunkt. Kritiker führen dies allerdings auf einen Waffenstillstand zwischen den paramilitärischen Gruppierungen zurück, die die Stadt beherrschen.

Streetart in Medellín

Meiner persönlichen Meinung nach benötigt Medellín einfach weiterhin die Zeit, sich zu entwickeln, denn die jahrelang gewachsenen kriminellen Strukturen kann man nicht so einfach entflechten. Vor allem nicht in einem Land, in dem Kokain nach wie vor eines der wichtigsten Exportgüter ist.


Fazit zu unserem Besuch in Medellín

Einen besseren Start in Kolumbien hätten wir uns nicht erträumen können. Wir sind in Medellín auf eine pulsierende Metropole getroffen, die seinesgleichen in Europa sucht. Nach einer Woche in Medellín waren wir voller Eindrücke und fühlten uns bereit für unsere weitere Reise durch Kolumbien. Eines Tages kehren wir aber bestimmt zurück, so viel ist sicher!


 Warst du selbst schon in Medellín und wie hast du die Stadt empfunden? Welche Städte haben dich besonders positiv oder negativ überrascht? Wir freuen uns auf einen Austausch in unseren Kommentaren

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Zusammenfassung
Beschreibung
Medellín hat uns auf sofort verzaubert! Die zweitgrößte Stadt Kolumbiens galt lange als gefährlichste Stadt der Welt und überrascht nun mit Fortschritt.
Autor
Erschienen auf
Worldonabudget
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4 comments

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Saskia 5. August 2017 - 17:52

Wir sind gerade in Medellin und ihr trefft mit eurem Bericht tatsächlich den Nagel auf den Kopf. Wir fühlen uns super wohl hier, im Gespräch mit Einheimischen bekommt man allerdings auch immer wieder die andere Seite der Stadt zu Gesicht. Viele Grüße, Saskia

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Chris
Chris 6. August 2017 - 13:01

Hallo Saskia,

genießt eure Zeit in Medellín und Kolumbien – wir würden sofort mit euch tauschen 🙂 Ich denke, dass Medellín einfach noch mehr Zeit braucht, um sich zu entwickeln, damit die heutigen Probleme mehr und mehr der Vergangenheit angehören.

Liebe Grüße nach Medellín
Chris

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Sonja von delightful SPOTS 5. August 2017 - 19:29

Hey ihr beiden,
auf fb habe ich ja schon ein bisschen was erzählt und finde es super spannend, wie es euch in Medellín erging bzw. wie ihr die Stadt seht.
Ich habe einige Monate in Bogotá gelebt und war auch einige Male in Medellín. Damals bin ich regelrecht aus der Stadt geflüchtet. Bei meiner letzten Reise im November musste ich zwangsläufig länger bleiben, weil mein Fliegen nach Nuquí nicht starten konnte. Diesmal war es zwar nicht ganz so schlimm, weil ich auch nicht in einem Partyhostel gewohnt habe, aber dennoch ist die Stadt eine Blase für mich. Insbesondere die Schickeria, die unzähligen Schönheitschirurgen und die tägliche Party in El Poblado wird für mich irgendwann unerträglich. Für ein Wochenende gerne mal, aber dann reicht es auch ganz lange wieder.
Dann fahre ich lieber nach Antioquia weiter, nach Guatapé oder in die Kaffeezone. Oder in ganz viele andere schöne Ecken in Kolumbien! 😉 Das Land ist einfach traumhaft. Nur eben in Medellín muss ich nicht länger als nötig bleiben. 😀
Hasta pronto!
Ich freue mich auf die nächsten Beiträge aus Kolumbien
Sonja

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Chris
Chris 6. August 2017 - 13:11

Hallo Sonja,

danke für deinen netten Kommentar! Das stimmt natürlich. Speziell in El Poblado ist gefühlt jeder Touri dort, um Party zu machen. Nichtsdestotrotz hatten wir uns Medellín vorher ganz anders vorgestellt und waren sehr überrascht, wie es dann wirklich war. Empfandest du Bogotá im Vergleich denn „echter“ als Medellín?

Aber auch wir konnten nicht die ganze Zeit in Medellín bleiben und haben Tagesausflüge nach Guatapé und Santa Fé unternommen. Bald gibt es dazu auch Berichte bei uns 😉

Liebe Grüße
Chris

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