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Reisebericht Santa Marta: die andere Perspektive auf Kolumbien

by Chris

Santa Marta muss ja ein richtiges Highlight gewesen sein. Zumindest könnte man das denken, wenn man hört, dass wir gleich drei Mal dort Halt gemacht haben. Doch viel mehr handelte es sich dabei um die notwendige Konsequenz aus unserer Route durch Kolumbien, als um unsere tiefe Verbundenheit zur Stadt.

Streetart in Santa Marta in Kolumbien

Obwohl wir mit der Zeit auch das etwas heruntergekommene Santa Marta in unsere Herzen geschlossen haben – vor allem wegen der beiden freundlichen und herzlichen Gastgeber Olga und Nando aus der Galeria del Arte. So war es jedes Mal ein kleines bisschen wie nach Hause kommen, wenn wir durch die Tür der beiden schritten.

Den eigentlichen Reiz von Santa Marta macht seine Lage aus. Zwischen Karibik und den hohen Bergen der Sierra Nevada kann man traumhafte Strände und schneebedeckte Gipfel gleichzeitig sehen. Santa Marta ist ein guter Ausgangspunkt, um einige der schönsten Orte in ganz Kolumbien zu besuchen.

In diesem Reisebericht wollen wir dir ein paar praktische Reisetipps für Santa Marta an die Hand geben, unsere Erfahrungen mit der Stadt schildern und ein paar Sehenswürdigkeiten vorstellen. Bist du bereit? Marie sitzt neben einem Vogel in Santa Marta in Kolumbien


Besucht unbedingt die Galeria del Arte

Wenn ihr Santa Marta besucht, müsst ihr einfach in der Galeria del Arte vorbei! Das kolumbianisch-italienische Paar betreibt dort ein kleines Hotel mit gerade einmal zwei Zimmern und zugehöriger Pizzeria. Die Übernachtungspreise sind äußerst fair und die Zimmer beide sehr geräumig.

Für die Pizzeria hat Nando extra einen Steinofen aus Italien importieren lassen. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Pizza ist ein Traum und nach typisch italienischer Art, wie sie in Lateinamerika wahrscheinlich schwierig ein zweites Mal zu finden ist. Übrigens ist die Pizzeria nur an den Wochenenden geöffnet.

Das beste an der Galeria del Arte sind allerdings die beiden Besitzer. So führten wir mit Olga und Nando viele interessante Unterhaltungen über Gott und die Welt und wir erlangten Einblicke in die kolumbianische Lebenswelt, die uns sonst vermutlich verborgen geblieben wären.


Sicherheit: wie gefährlich ist Santa Marta?

Haben wir in Medellín noch ein Land in optimistischer Aufbruchsstimmung erlebt, wurde in Cartagena die breite Schere zwischen Arm und Reich in diesem von Gewalt gebeuteltem Land immer sichtbarer. Und in Santa Marta hat sich, wenn überhaupt, nur oberflächlich etwas gebessert, machten uns Olga und Nando deutlich.

Ein schäbiger Straßenzug in Santa Marta in Kolumbien

Direkt vor ihrem Hotel herrscht nach Einbruch der Dunkelheit reger Verkehr von Prostituierten und ihren Freiern. Die meisten stammen aus dem benachbarten Venezuela und hoffen auf ein bisschen Geld, das sie ihren Verwandten senden können. Die Polizei steht übrigens regelmäßig daneben und unternimmt nichts gegen das Treiben. Außer gegen Leute, die sich über die offensichtlichen Zustände beschweren.

Ein stark herunter gekommenes Haus in Santa Marta, das sicherlich noch bessere Zeiten kennt

Viel schlimmer sind aber die nicht so offensichtlichen Dinge, die in Santa Marta passieren. Drogen- und Waffenhändler sind längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und man kann eigentlich nie sicher sein, womit das Gegenüber sein Geld verdient.

Der Stadtstrand von Santa Marta in Kolumbien

Durch das Wegsehen von Polizei und Justiz ruinieren einige wenige Kriminelle den Ruf einer ganzen Nation. Sollte sich daran nicht grundlegend etwas ändern, steht es schlecht um die Zukunft von Kolumbien, sagten uns Olga und Nando.

Ihr solltet insbesondere nachts vorsichtig sein. Als Faustregel wurde und immer gesagt, dass je weiter man sich vom Malecon und dem Strand wegbewegt, desto unsicherer wird es. Dennoch solltet ihr nicht in Panik ausbrechen. Wir waren tagsüber in der Innenstadt zu Fuß unterwegs und sind auch zur Bushaltestelle einige Blocks stadtinwärts ohne Probleme gegangen. Fragt also am besten in eurer Unterkunft nach, um aktuelle Informationen zur Sicherheit in Santa Marta zu erhalten. 


Sehenswürdigkeiten in Santa Marta

Man erkennt direkt, dass Santa Marta glanzvolle Zeiten hinter sich hat. Aber an den einst prächtigen Kolonialhäusern bröckelt der Putz und es riecht in den Straßen nach Urin. Viele der schmucken Häuser sind leider zerfallen. Santa Marta war einst die erste spanische Siedlung auf dem amerikanischen Festland und wurde 1525 gegründet.

Doch auch schon vor den Spaniern war die besondere Region bereits besiedelt und zwar von den Tairona, deren bedeutendste Stätte, die Ciudad Perdida heute noch besucht werden kann. 

Wir stellen dir hier ein paar coole Sehenswürdigkeiten vor, die man besuchen kann, wenn man ein paar Tage in Santa Marta gestrandet ist. 

Stark baufällige Häuser in Santa Marta in Kolumbien

Der Malecon

Am Abend den Malecon entlangzuschlendern ist ein Erlebnis. Auf der Flaniermeile von Santa Marta, mit seinem schicken Hafen und dem eigenen Stadtstrand, gibt es immer etwas zu sehen. Hier tummeln sich die Bewohner und Touristen und feilschen mit den zahlreichen Händlern um den besten Preis oder genießen ein Eis in der Sonne.

Der Malecon in Santa Marta ist die Flaniermeile

Simon Bolívar Park 

Im Simon Bolívar Park kann man eine Statue des bekannten südamerikanischen Unabhängigkeitskämpfers besichtigen, der in Santa Marta gestorben ist. Am Kopf des Parks findet man übrigens einige Geldautomaten. Der Park, der wie so oft in Kolumbien keine grüne Oase, sondern eher ein Platz ist, ist der zentrale Platz in der Innenstadt von Santa Marta.

Die Statue von Simon Bolivar in Santa Marta

Museo del Oro

Nur einen halben Block entfernt vom Simon Bolivar Park liegt das Museo del Oro, das die Geschichte der Ureinwohner rund um Santa Marta sowie die jüngere Geschichte der Stadt näher bringt. Der Eintritt in das Museo del Oro ist gratis. Das Museum ist zwar nicht so groß wie das Museo del Oro in Bogotá, aber sehr gut gemacht. Wir fanden die Ausstellungsstücke mega interessant und die Erklärungen sehr spannend. Eine ganz klare Empfehlung.

Das Museo del Oro in Santa Marta ist wunderschön und verrät einiges über die Geschichte Kolumbiens

Parque de los Novios

Die schicke touristische Gegend von Santa Marta liegt rund um den Parque de los Novios, auch Parque Santander genannt, wo sich die meisten Hostels und einige hippe Bars und Restaurants befinden. Der Park und die davon abgehende Straße sind der perfekte Ort, um in einem stylischen Café zu sitzen oder andere Reisende kennenzulernen. 

Auch finden sich rundum den Park einige der schönsten Streitart-Kunstwerke, die wir in Santa Marta erspähen konnten. 

Das schicke Viertel um den Parque de los Novios mit seinen Bars und Hotels

Carrera 4

Wer dringend ein paar neue Sachen braucht, wird mit Sicherheit auf der Carrera 4 fündig. Dort verkaufen Händler allerlei an gefälschten Waren. Und so ein Kolumbientrikot ist bestimmt ein schönes Mitbringsel. Die Carrera 4 ist der perfekte Ort, um die authentische Seite von Santa Marta kennenzulernen. 

Die Carrera 4 in Santa Marta, wo man so allerhand kaufen kann

Restaurant Tipps in Santa Marta

Wir haben einige Male in unserer Unterkunft der Casa del Arte italienisch gegessen. Auch so bietet Santa Marta einige leckere Restaurants. Wir waren wirklich von der Fülle an hippen und gesunden Alternativen überrascht. Gerade um den Parque de los Novios werden Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, fündig werden. Unsere Favoriten sind übrigens diese Restaurants. 

Carambolo

Wer Lust auf gesundes Essen hat, der muss ins Carambolo. In dem stylischen Restaurant gibt es Pitas, Salate und Smoothies. Alles kam liebevoll angerichtet, war frisch und lecker. 

Ikaro Café

Vegetarisch und veganes Essen sowie leckersten Kaffee gibt es im Ikaro Café. Ebenfalls in sehr stylischem Ambiente und ebenfalls sehr lecker.

Gnam Gelateria

Sehr sehr leckeres italienisches Eis in den verschiedensten Sorten. Neben den Klassikern findet man auch typisches aus der Region, wie Beispielswiese Lulo.


Highlights in der Umgebung

Die meisten besuchen Santa Marta, um eines der Highlights an der Nordküste von Kolumbien zu entdecken. Denn viele der schönsten Strände und Attraktionen von Kolumbien sind von Santa Marta aus sehr leicht zu erreichen. 

Santa Marta ist außerdem der beste Ausgangspunkt für einen Trek zur Ciudad Perdida. Diesen haben wir bei unserer letzten Reise leider nicht gemacht, hätten aber beim nächsten Mal in Kolumbien große Lust drauf. Man sollte etwa 4 bis 6 Tage für den gesamten Trek einplanen, welcher auch körperlich anspruchsvoll ist. Man wandert mehrere Tage durch den Dschungel bis man bei den Ruinen der Ciudad Perdida rauskommt. 

Dieses Abenteuer kannst du in den meisten Hostels ganz einfach organisieren. 

Da wir zu den meisten Highlights rundum Santa Marta eigene Guides geschrieben haben, verlinken wir sie dir hier. In den Guides ist auch immer nochmal die Anreise von Santa Marta aus näher beschrieben. 

  • Verschaffe dir einen Überblick und lerne unsere fünf liebsten Ausflugsziele um Santa Marta kennen. 
  • Die Schönheit des Tayrona Nationalparks ist unbeschreiblich. Wir haben dir einige Reisetipps für den Parque Tayrona gesammelt. 
  • Minca in der Sierra Nevada ist ein nettes Hippiedorf, wo man entspannt wandern kann. 
  • Palomino hat ebenfalls einen Hippie Charme und einen traumhaften Strand zu bieten. 

Wir haben Kolumbien in Santa Marta nochmal von einer anderen Seite kennengelernt und unsere Zeit dort sehr genossen. Sicherlich steht die Stadt bei einer Reise durch Kolumbien nicht an erster Stelle, aber oft sind es diese Orte, die das Reisen so besonders für uns machen. 

Außerdem konnten wir auch einen kleinen Hauch des Wandels spüren. Viele sehr hippe Cafés und Bars eröffnen, Fassaden werden bunt angestrichen und Straßenzüge werden aufgewertet. Es tut sich was in Santa Marta und wir hatten auch das Gefühl, dass die Stadt mehr und mehr auf den Radar von Touristen gerät, die die Stadt nicht nur zur Durchreise nutzen. Wir sind gespannt wie sich Santa Marta verändert haben wird, wenn wir eines Tages mal wieder vorbeischauen werden. 


 Warst du auch schon mal in Santa Marta? Welche Orte machen für dich das Reisen besonders? Erzähle uns gerne davon in den Kommentaren! 

Mehr Reisetipps für Kolumbien

Wir haben dir oben ja bereits Highlights in der Nähe von Santa Marta vorgestellt. Hier findest du noch weitere Reisetipps für ganz Kolumbien.

Zusammenfassung
Reisebericht Santa Marta: die andere Perspektive auf Kolumbien
Artikelname
Reisebericht Santa Marta: die andere Perspektive auf Kolumbien
Beschreibung
In unserem Reisebericht über Santa Marta gibt es nicht nur die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, sondern auch einen Einblick in das düstere Kolumbien.
Autor
Erschienen auf
Worldonabudget
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6 comments

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Paul 9. September 2017 - 14:42

Hallo,

das ist mal ein etwas anderer Reisebericht aus Kolumbien =). Ich verfolge seit geraumer Zeit, dass Kolumbien als Reiseziel aus verschiedenen Gründen absolut im Kommen ist und dass sich auch für Touristen INSGESAMT die Sicherheitslage im Land gebessert hat.

Ich habe noch gar nicht gewusst, dass der Freiheitskämpfer Simon Bolivar in Santa Marte gestorben ist.

Ich wünsche euch noch viel Spaß =)

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Chris
Chris 9. September 2017 - 20:16

Hallo Paul,

das „insgesamt“ kann man wahrscheinlich auch problemlos unterschreiben. Im Vergleich zum Kolumbien vor 10 Jahren, wo Entführungen wohl noch zur Tagesordnung gehörten und speziell der Süden nicht gefahrlos bereist werden konnte, hat sich vieles zum Positiven für Touristen geändert. Unsicher gefühlt haben wir uns beispielsweise nie. Dennoch kam in Gesprächen mit Einheimischen häufig zur Sprache, dass der Schein oftmals trügt.

Trotzdem hat uns Kolumbien unheimlich gut gefallen und wir können jedem dieses wunderbare Land nur sehr empfehlen!

Liebe Grüße
Chris

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Henry 24. April 2018 - 5:29

Servus!

Würdet ihr es empfehlen also Volunteer einen monat in Santa Marta zu verbringen? Oder wuerdet ihr dafür eher anderes Orte in Kolumbien, andere Länder in latam empfehlen?

Danke für eure Meinung!
Henry

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Marie
Marie 25. April 2018 - 17:24

Hey Henry,

das ist ja ein Zufall! Eine Freundin von uns macht gerade Workaway in Santa Marta 😀

Ich denke es schadet nicht, wenn du in dich gehst und dir überlegst, was du suchst. Santa Marta hat uns persönlich gut gefallen, aber ist halt auch schon an vielen Ecken ranzig und bietet im Vergleich zu anderen Städten (wie bspw. Bogotá oder Cartagena) weniger Sehenswürdigkeiten.

Dafür ist es natürlich nicht so überlaufen und in der Umgebung kann man wahnsinnig viel unternehmen (Tayrona Nationalpark, Ciudad Perdida, Minca, Tanganga, Palomino,usw.) Da ist eben die Überlegung ob und wieviel Freizeit du bei deinem Volunteering hast, um diese Orte zu erkunden.

Für mich persönlich wäre vermutlich Medellín mein Favorit in Kolumbien (wenn du in eine Stadt willst). Die Stadt hat mir richtig gut gefallen und wirkte einfach total lebendig und interessant auf mich. Da kann man sich schon locker einen Monat beschäftigen.

In welchem Bereich ist denn dein Volunteering?

Liebe Grüße
Marie

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Martin 11. Dezember 2019 - 15:28

Hola,
Santa Marta ist tatsächlich ein bisschen ranzig und nicht ganz so herausgeputzt wie Cartagena aber wenn man öfter wiederkommt spürt man den unverwechselbaren Charme Kolumbiens und die unglaubliche Vielfalt an Natur in der Umgebung sowie die Möglichkeiten sie zu entdecken. Außerdem sind die Kolumbianer super gastfreundlich und warmherzig.
Auf meiner Reise durch Südamerika waren die Kolumbianer in ihrer Offenheit und Freundlichkeit ganz weit vorn.
Santa Marta ist vielleicht nicht die Perle aber doch ein Schmuckstück an Natürlichkeit, wo der Tayrona Park über allem thront vor den Gipfeln der Sierra Nevada.

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Chris
Chris 13. Dezember 2019 - 18:17

Hallo Martin,

da hast du vollkommen recht. Auch wir fanden es in Santa Marta ranzig, aber sind trotzdem immer gerne wiedergekommen. Nicht zuletzt wegen der schönen Ausflugsmöglichkeiten in der Umgebung. Dem Tayrona NP haben wir hier z.B. einen ganzen Artikel gewidmet: https://worldonabudget.de/tayrona-nationalpark-kolumbien-norden-reisebericht-spartipps/

Viele Grüße
Chris

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